In Memoriam Matthias Spindler

Jazz-livestream mit dem Emil Mangelsdorff Quartett, Olaf Schönborn, Thomas Siffling und Dietmar Fuhr am Dienstag, 25. Mai 2021, ab 19:00 Uhr

Es gebührt demjenigen eine große Ehre, dem Deutschlands ältester Jazzmusiker, Emil Mangelsdorff (96), ein absoluter Star am Jazzerhimmel, ein Konzert zu Ehren gibt.

Denn am 7.April verstarb nach kurzer, extrem schwerer Krankheit völlig überraschend mein lieber Freund und langjähriger Arbeitskollege Matthias Spindler. Matthias war Historiker, Buchautor, Journalist und vor allem Autor unzähliger Jazzsendungen beim Hessischen Rundfunk als auch beim Südwestrundfunk, obgleich seine erste Sendung beim Norddeutschen Rundfunk lief.

Ich durfte 25 Jahre seine rechte Hand bei der radiophonen Umsetzung seiner grandiosen Sendungen und Beiträge sein . Wir haben unglaubliches zusammen erlebt, umgesetzt und Matthias hat mehr als einmal gesagt: "Heute haben wir wieder einmal ein Stück Radiogeschichte geschrieben", wenn wir z.B. drei Wochen lang mit zig O-Tönen, Ausschnitten und Tonschnipseln von Konzertmitschnitten, Gesprächskonzerten, Interviews und Wortbeiträgen, die wir einige Jahre selbst angefertigt hatten, an der dreistündigen Sondersendung zu Emil Mangelsdorffs Geburtstagssendung gebastelt haben, oder in Hamburg unsere Swingtime mit Bill Ramsey "gefahren" haben um anschliessend besondere Blenden machen zu können und ganze Wörter im Sinn zu verändern durch den Austausch eines einzigen Buchstabens.

Ein besonderes Erlebnis mit Matthias, von dem er jahrelang erzählte, war ein spontaner Livemitschnitt eines Baladenabends mit Ack van Royen, Joerg Reiter, Thilo Wagner und Emil Mangelsdorff. Wir bekamen erst in der Pause die Genehmigung zur Aufzeichnung und luden in Windeseile die Technik aus dem Auto, bauten arbeitsteilig auf und schnitten mit. Innerhalb von etwa 8 Minuten. Und der Mitschnitt hatte es künstlerisch in sich!

Aber auch die Komplexität der Aufgaben mit Hinblick auf den Zeitdruck des aktuellen Mediums "Radio" immer unter der Berücksichtigung sowohl technisch als auch klanglich sauberes, sich akustisch organisch fügendes manchmal auch experimentelles Material abzuliefern, war herausfordernd und stets zur Zufriedenheit aller gemeistert worden. Den Begriff "das versendet sich" gab es bei uns nicht!

 

Matthias hatte eine sehr fundierte Kenntnis in Sachen Musik und die richtige Spürnase für hervorragende Musiker, die er -noch völlig unbekannt- entdeckte und die später eine große Karriere erwartete. Eigentlich war er selbst Jazzmusiker. Auch ohne einen Ton zu spielen, fand er doch immer den richtigen Ton im Umgang mit den Musikern auf fachlich hohem Niveau. 

Stets wertschätzend und doch angemessen kritisch, mit liebenswerten Worten äussernd, konnte man sich aber auch auf sachlicher Basis mit ihm streiten. Er war authentisch und freiheitsliebend, immer fair und der Sache mit Herzblut verbunden. Matthias hat den Jazz gelebt!

 

Weit über 30 Jahre lang war er der Autor der "Swingtime mit Bill Ramsey", die Sendung (damals noch mit anderen Moderatoren), die er als Jugendlicher selbst gehört hat und ihn musikalisch an das Medium "Radio" und den Jazz gebunden hat. So schliesst sich der Kreis. Zwanzig Jahre produzierten wir diese Sendung gemeinsam, die sich wie ein roter Faden durch unser radiophones Schaffen zog.

Über mich sagte er einmal: "Egal welche Künstler, welche Stilrichtung, welcher Aufnahmeort - man hört immer deine Handschrift heraus." 

Und diese, meine Handschrift, schätzte Matthias sehr. Er war sehr kritisch, was die Aufnahmequalität und klangästhetische Interpretation anbelangt. Er vertraute mir blind und war stets extrem angetan. Dies war ein Pfeiler von vielen in unserer Freundschaft. Wir haben uns blind verstanden. Nicht umsonst hat er mich unzähligen Musikern sehr an das Herz gelegt und war traurig, dass viele nicht verstanden, um was es eigentlich geht. 

 

Als Tonmeister die klangästhetisch-audiophile Verantwortung für die Übertragung der Veranstaltung aus Waldsee zu tragen, war mir ein Anliegen und bin ich Matthias schuldig. In diesem Sinne, wird das Konzert "In Memoriam Matthias Spindler" so klingen, wie er es gewohnt war, wie er es erwartet hätte. Nicht zuletzt, weil wir zusammen eine Reihe von Live Mitschnitten mit dem Emil Mangelsdorff Quartett gemacht haben geboren aus einer gemeinsamen Idee.

 

Es ist mir eine Ehre für alle Musiker, Hörer und vor allem für Matthias, egal wo er uns zuhört, die Darbeitung der Musiker ihm zum Gedächtnis, klangkünstlerisch auditiv wertvoll umsetzen zu dürfen. 

 

MATTHIAS - KEEP SWINGING!

 

Dein Niels

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
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